KaeferbaeumeDie Handelsstreitigkeiten zwischen den Nachbarn USA und Kanada weiten sich aus. Pfeifer Holz investiert in Lauterbach DE, 30 Mio. Euro in eine BSP-Anlage. Die Schweizer Konjunktur hat sich zu Jahresbeginn weiter verbessert. Gemäss Schweizer Holzmarktkommission steigen die Nadelrundholzpreise über alle Sortimente um Fr. 3.- pro fm. Die Kantone St. Gallen und Thurgau haben im Jahr 2016 -7% weniger Holz geerntet.

Internationale Holzmärkte
In Nanterre, etwa eine Autostunde von Paris entfernt, ist ein gewaltiger Bürokomplex in Massivholzbauweise geplant. Die Architekten Laisne Roussel und Francois Leclercq planen den 125‘000 m2 grossen Bau. Es soll zurzeit der weltweit grösste Gebäudekomplex in Massivholzbauweise werden.

Die Handelsstreitigkeiten zwischen den Nachbarn USA und Kanada haben nach heftigen Vorwürfen der Regierung von US-Präsident Donald Trump eine neue Eskalationsstufe erreicht. Seit April werden die kanadischen Nadelschnittholzimporte mit Strafzöllen von 20% belegt. Seit 27.6.2017 kommen zusätzlich noch durchschnittlich 6,87 % Antidumpingzölle auf kanadische Nadelschnittholzlieferungen dazu. Die USA beschuldigen Kanada, ihre Holzindustrie stark zu subventionieren, so dass die US-Holzindustrie darunter leide. Dies verbessert die Situation der europäischen Lieferanten, da diese nicht unter die Strafzollbestimmungen fallen. Bald könnte wieder mehr Schnittholz aus Europa in die USA verschifft werden.

Deutschland
Brettsperrholzplatten (BSP) boomen. Nahezu jede namhafte Holzindustrie hat ein Projekt in der Schublade oder ist damit bereits in der Umsetzung. Immer mehr Architekten und Holzbauer planen mit BSP, weil dadurch der Vorfertigungsgrad massiv steigt und die Bauzeit verkürzt werden kann. Aktuell verfügen Binderholz und Storaenso über die grössten Produktionskapazitäten. Insgesamt produzieren die europäischen Werke heute eine Jahresmenge von rund 600‘000 m³. Nach Einschätzungen von Holzkurier dürften sich die Produktionskapazitäten bis 2019 auf über 1.2 Mio. m³ erhöhen. Pfeifer Holz investiert zurzeit am Standort in Lauterbach 30 Mio. Euro in eine BSP-Anlage mit einer geplanten Jahresproduktion von 100‘000 m³ und wird so innert 2 Jahren zu den Top 5 BSP-Produzenten in Europa zählen.  In der Schweiz verfügt nur Schilliger Holz in Küssnacht über eine BSP Produktion von rund 13‘000 m³/Jahr.


Die Umsätze im deutschen Bauhauptgewerbe lagen im März 2017 um 14.3% höher als im März 2016. Wie das Statistische Bundesamt DESTATIS nach vorläufigen Ergebnissen weiter mitteilt, waren zugleich im März 2017 im Bauhauptgewerbe um 3.3% mehr Beschäftigte als im Vorjahresvergleich.

Österreich
Die österreichischen Sägewerke sind nur knapp mit Nadelsägerundholz bevorratet. Aufgrund der durch den späten Wintereinbruch gegen Ende April beeinträchtigten Holzabfuhr haben sich die Rundholzlager reduziert. Mit wenigen Ausnahmen wird das Rundholz zügig abtransportiert. Die Nutzung hat sich jah-reszeitlich bedingt vom Bauernwald zu den Grossbetrieben verlagert. Aufgrund der guten Absatzlage am Schnittholzmarkt ist die Nachfrage grösstenteils rege. Das Leitsortiment Fichte Trämel Qualität B/C Mischpreis Stärkeklasse 2a-3b ist stark gestiegen und wird aktuell mit 96.75 €/m³, (CHF 105.45) gehandelt. Die Fichte Qualität CX (D) ist weniger stark gestiegen 71.96 €/m³, +0.7%, (CHF 78.40). Probleme gibt es jedoch bei Starkholz minderer Qualität, weil durch die Schliessung des Starkholz-Sägewerks Pröbstl in Deutschland Rundholz auf den Vorarlberger Markt drückt. Ähnliche Schwierigkeiten bestehen auch aufgrund der hohen Schadholzimporte aus Slowenien in Kärnten. Die Nachfrage nach Kiefer ist verhalten und nur schwer absetzbar. Lärche hält ihr sehr hohes Preisniveau.

Schweiz
RAIBA 03 17Die Schweizer Konjunktur hat sich zu Jahresbeginn weiter leicht verbessert. Nachwirkungen des starken Franken lassen die Wirtschaft aber weiterhin unter ihren Möglichkeiten operieren. Dabei bleibt der Inflationsdruck sehr gering. Die SNB dürfte auf absehbare Zeit die Negativzinsen beibehalten und falls nötig auf den Devisenmärkten intervenieren.
Die Schweizer Wirtschaft hat Anfang 2017 ein BIP-Wachstum von 0.3% gegenüber dem Vorquartal verzeichnet, was eine weitere leichte Verbesserung im Vergleich zu den beiden letzten Quartalen be-deutet. Dabei trug der private Konsum nur sehr moderat zum Wachstum bei. Treibende Kraft war zum Jahresbeginn das Verarbeitende Gewerbe. Die Exporte haben sich kräftig erholt, und auch die Ausrüs-tungsinvestitionen zeigten nach oben.
Mit dem erfolgreichen Jahresstart im Verarbeitenden Gewerbe spiegelt sich die starke Stimmungsaufhellung bei den Schweizer Unternehmen seit letztem Herbst schliesslich auch in den offiziellen Wachstumszahlen wider. Insbesondere die gefestigte Erholung in der Eurozone verleiht Rückenwind. Der langjährige Abwärtstrend des Anteils der Eurozone an den Schweizer Exporten konnte zum Jahreswechsel gestoppt werden (siehe Grafik).

Schweizer Holzmarktkommission
Die Schweizer Holzmarktkommission hat sich am 27. Juni in Bern getroffen und folgende Medienmittei-lung veröffentlicht.

Ein wichtiges Zeichen für den Herbst
Die Holzmarktkommission hat am 27. Juni die Lage analysiert und entschieden, die Nadelholzpreise um 3 CHF pro Festmeter anzuheben, um die Holzernte im August schwungvoll in Gang zu bringen. Der überstarke Franken bleibt eine grosse Herausforderung für die Marktpartner, aber die gute Nachfrage in den Nachbarländern mindert den Importdruck, und gleichzeitig steigt hier das Interesse an Schwei-zer Holz.
Trotz steigender Leerwohnungsziffer und lokalem Rückgang im Zweitwohnungsbau boomt der Holzbau weiterhin. Die Sägewerke sind gut ausgelastet und voll aufnahmefähig – auch für Käferholz, das dank guter Beobachtung bis jetzt noch unter Kontrolle ist, und weiter in der normalen Nutzung zu bewältigen sein dürfte. Die Marktpartner waren sich in der Markteinschätzung für die kommenden Monate einig und sind überzeugt, dass die Preisanhebung die erwünschte Wirkung auf eine frühe Frischholz-Bereitstellung hat. Die früh einsetzende Holznutzung ist gerade auch beim Laubholz wichtig und fördert die Eingriffsmotivation in Nadel-/Laubholz-Mischbeständen.

Starke regionale Holzperspektiven
Wenn nur schon der vorhandene Starkholzanteil auf Wunsch der Verarbeiter nicht weiter wachsen soll, kommen über viele Jahre grosse Mengen starke Dimensionen auf den Markt. Welche Verarbeiter wür-den mehr starkes Holz übernehmen? Die HMK wird sich fortan regelmässig dar-über austauschen, wel-che sinnvollen Massnahmen wald- und verarbeiterseitig, oder gemeinsam ergriffen werden. Neue Ideen sind auch von den für die Tage des Schweizer Holzes gebildeten regionalen Clustern zu erwarten, weil unter den 200 teilnehmenden Firmen - vorab aus Forst, Säge und Holzbau sehr viel Austausch stattfindet. Diese Cluster sollen nach Ansicht der HMK wichtige zukünftige Keimzellen bilden, um konkret verbesserte Wertschöpfungsketten vom Wald über die Holzindustrie bis hin zum Endverarbeiter zu gestalten.

Weitere Nachteile im Holztransport
Die Entsorgung der naturbelassenen Asche verdient weiter volle Aufmerksamkeit, um die Holzenergie wettbewerbsfähig zu halten. Die Bedingungen im Holztransport verschlechtern sich weiter: An der letz-ten Sitzung war noch von der LSVA-Erhöhung die Rede, und nun zeigt ein neues Bundesgerichtsurteil vom 5.12.2016, dass die behördlichen Sanktionsmöglichkeiten beim Überschreiten der Höchstgewichte von Lastwagen und Anhängern sehr restriktiv ausgelegt werden. Das wird dem Umgang mit den variie-renden Rundholzgewichten überhaupt nicht gerecht.  Die HMK trifft sich wieder am 16. Oktober 2017


Preisempfehlung der Holzmarktkommission vom 27.6.2017
HMK Preise06 17 


Ostschweiz
Die Holzmarktkommission der Ostschweiz hat am 3. Juli getagt und folgt der Empfehlung der HMK Schweiz.

Die ostschweizer Betriebe sind grossmehrheitlich gut bis sehr gut ausgelastet. Die Versorgung mit Rundholz ist bis nach den Sommerferien gesichert. Unverkaufte Waldlager gibt es keine mehr. Gute B-Ware wird stark nachgefragt und bei den C-Qualitäten besteht Säger seitig eher ein Überhang. In den meisten Regionen der Ostschweiz ist der Borkenkäferholzanfall bis jetzt gering. In einzelnen Forst-revieren, vor allem in den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich, zeichnet sich eine gewisse Menge Käferholz ab. Entscheidend wird die Entwicklung der Käferholzsituation im Juli und August sein. Sie birgt zurzeit die grösste Unsicherheit. Ab August benötigen bereits verschiedene Sägewerke wieder frisches Holz. Sie sind auch bereit eine gewisse Menge Käferholz zu übernehmen. Frischholzschläge können bereits jetzt wieder geplant werden, müssen aber unbedingt vor Erntebeginn mit dem Abnehmer und dem aktuellen Käferholzanfall abgestimmt werden.


Im St.Galler Wald betrug die Gesamtnutzung im Jahr 2016 rund 260‘000 Festmeter. Dies ist gegenüber dem Vorjahr ein weiterer Rückgang  um -7%. Die öffentlichen Waldbesitzer haben mit rund 134’000 fm ca. 2’000 fm  weniger Holz geerntet als im vorangehenden Jahr. Im Privatwald ist die Nutzung ebenfalls um rund 17’000 fm auf 126‘000 fm  gesunken. Die Sortimente verteilen sich folgendermassen: 53 % Stammholz, 6 % Industrieholz, 40 % Energieholz und 1% übrige Sortimente. Der Energieholzanteil hat um 3 % zugenommen. Im Kanton Thurgau betrug die Gesamtnutzung 2016, über alle Sortimente 121‘259 fm. Im Vergleich zur Nutzung 2015 ist dies ebenfalls eine Abnahme von -7%, genau wie beim Kanton St. Gallen.


Industrieholz
Die Industrieholzwerke sind gut mit Rohstoff versorgt. Bei Kronospan laufen die Übernahmen etwas gedrosselt, aber im Rahmen der Verträge.  Beim Schleifholzwerk Perlen Papier, sind Schleifholzliefe-rungen im vertraglichen Rahmen möglich. Im Export laufen die Industrieholz-Sortimente, aber auch hier sind die Mengen an Rahmenverträge gebunden.

dringende empfehlung

Unbedingt  intensive  Kontrolle  der Fichtenbestände.  Befallene Käferbäume sofort fällen und vermarkten.

Frischholzschläge  nur beginnen, wenn die Preise und rasche Übernahme gesichert sind.

Industrieholz unbedingt sauber sortieren nach 1. und 2. Klasse (Schleifholz/Plattenholz).


Nur noch geringe Akzeptanz für FSC-Waldzertifizierung
Die Waldzertifizierungsgruppe Ostschweiz (WZGO) betreut die Kantone St. Gallen, Thurgau, beide Ap-penzell und das Fürstentum Liechtenstein. Aktuell sind in der Ostschweiz über 95% der Waldflächen nach dem Umweltlabel von Forest Stewardship Council (FSC) zertifiziert. Ende Oktober 2018 läuft das Zertifikat aus. Der neue, in Vernehmlassung befindende FSC-Standard, hohe Auditkosten und die schwindende Akzeptanz gegenüber dem FSC-Label veranlassten die WZGO einen Marschhalt einzulegen. Dazu wurde am 13. Juni in Gossau eine Informationsveranstaltung durchgeführt. Es wurden sämtliche Interessenvertreter aus den Branchen Sägereien, Handel, Umweltverbände, Forstdienst, Forstpersonal, Forstunternehmer, FSC Schweiz und Auditfirma IMO eingeladen.  Das Interesse war gross. Insgesamt konnten 60 Teilnehmer begrüsst werden.
Im Vorfeld wurde eine Umfrage bei über 80 Kunden gemacht. 30 Betriebe haben teilgenommen. Die Ergebnisse waren teils überraschend. Bei der Frage, ob das FSC Label künftig noch benötigt wird und wer dieses zwingend braucht, ergab sich folgendes Bild: Es gibt noch wenige Betriebe, welche auf FSC Holz angewiesen sind. Diese Betriebe beliefern die Bau- und Hobbymärkte über die Grossverteiler oder exportieren ihre Produkte ins Ausland. Vor allem bei Laubholzprodukten wird FSC vermehrt nachgefragt. Die regionale Holzindustrie, welche hauptsächlich Nadelholzprodukte für den Baubereich herstellt, kauft zwar viel FSC Holz ein, ist aber oft gar nicht mehr FSC Zertifiziert oder verkauft nur geringe Mengen mit dem FSC-Label, im Bereich von 1-5%. Für welche Menge noch eine effektive Nachfrage besteht, konnte mit der Umfrage nicht klar beantwortet werden.
Fazit der Veranstaltung: FSC-Holz wird auch noch in Zukunft benötigt, wenn auch nicht mehr in diesen grossen Mengen. Die FSC Waldflächen könnten stark reduziert werden, ohne dass nennenswerte Prob-leme entstehen und auf wenige öffentliche Forstbetriebe verteilt werden. So liessen sich auch die Kosten für die Waldeigentümer reduzieren. Einbussen bei der Biodiversität wird es keine geben. Schweizer Wälder werden heute schon gemäss Waldgesetz vorbildlich und nachhaltig gepflegt und verfügen über eine hohe Artenvielfalt, dies wird auch bei einem Wegfall des FSC-Labels nicht ändern. Die WZGO wird sich für eine weitere FSC Zertifizierung in der Ostschweiz einsetzen, konzentriert sich aber auf deren Umsetzung und Kosten. Sie wird versuchen Nachfrage und Angebot von FSC-Holz in Einklang zu bringen, so dass die Kunden und Verarbeiter Schweizer FSC Holz aus der Region kaufen können und nicht auf ausländische FSC-Ware ausweichen müssen.

Kontakt

Tel:      071 375 60 90
Fax:     071 375 60 99
e-Mail: info@holzmarkt-ostschweiz.ch

 

kontakt